Samstag, Juni 24

G20-GIPFEL AFRIKA BRAUCHT MEHR ALS WACHSTUM

Bild: (c) OpenClipart-Vectors / pixabay

Hamburg – Afrika? Vielleicht liegt es an den vielen akuten Krisen weltweit, vielleicht ist es aber auch chronischer Ignoranz geschuldet, dass der Schwerpunkt der deutschen G-20-Präsidentschaft bisher nur wenig öffentliche Beachtung gefunden hat. Dabei betreibt die Bundesregierung seit einem Jahr eine rege Afrika-Diplomatie. Gleich drei Bundesministerien – Finanzen, Entwicklung und Wirtschaft – haben Initiativen für den Kontinent erarbeitet und sie zum Start der Afrika-Konferenz im Vorfeld des G-20-Gipfels vorgestellt.

Chancen und Potenziale wurden dort von Politikern beschworen, von Wachstum und Investitionen schwärmten Wirtschaftsvertreter. Es klang, als sei soeben ein neuer Kontinent entdeckt worden. Glücklicherweise vervollständigte die Kanzlerin in einer ungewohnt selbstkritischen Ansprache das Afrika-Bild um die Konstanten Armut, Krieg und Flucht. Merkel kritisierte zu Recht die paternalistische Entwicklungshilfe und mahnte ein neues, ehrliches westlich-afrikanisches Verhältnis an. Aber auch der neuen Afrikapolitik mangelt es an Ehrlichkeit. Natürlich ist das Interesse am afrikanischen Kontinent begrüßenswert – und es ist ökonomisch gut begründet. Das Bild von Afrika als Krisenkontinent ist überholt: In zahlreichen Ländern hat sich die Wirtschaftslage in den letzten 15 Jahren stark verbessert. Bis 2050 wird sich Afrikas Bevölkerung verdoppeln, auf 2,5 Milliarden Menschen. Investoren reiben sich die Hände – sie sehen in ihnen 2,5 Milliarden Kunden. Doch der Hauptgrund für das Afrikafieber ist ein anderer: Es geht um Migrationsverhinderung. Die Afrikaner sollen nicht zu uns kommen, sie sollen in ihrer Heimat Arbeit finden und dort bleiben – so die Überlegung des Nordens. An diesem Kalkül ist nichts verwerflich, es gründet aber auf einem Irrtum. Wachstum unterbindet nicht die Emigration, es fördert sie. So wanderten nie zuvor so viele Afrikaner aus wie in den vergangenen Boom-Jahren. Die ganz Armen haben weder Geld noch Kraft zum Auswandern. Es braucht mehr als Wachstum, um Menschen an ihre Heimat zu binden. Indem die G20 auf Privatinvestitionen als Motor der Entwicklung Afrikas setzen, tragen sie noch nichts zur Beseitigung eines Kernübels bei: Korruption. Zu einer guten Lebensperspektive gehören Bildung, Gesundheit und nicht zuletzt auch glaubwürdige staatliche Institutionen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.